Ein Kernelement unserer Schlaf- und Chronobiologieausbildungen der IMMER AUSGESCHLAFEN GmbH ist die Grenzziehung zwischen dem, was ein Coach kann und dem, was er nicht kann. Seriöse Coaches, und diese auszubilden und über den DVSCC zu unterstützen ist unser wichtigstes Anliegen, wissen, wann es heißt, an einen kompetenten Facharzt oder Coaching-Kollegen eines anderen Bereichs vermitteln zu müssen. Denn gerade bei Schlafstörungen spielen extrem viele Faktoren rein, wo sich Schlafthemen nur als Symptom zeigen. Depressionen, Adipositas etc. sind solche Faktoren, die allerdings selbst häufig auch wieder „nur“ Symptome sind.

So vermitteln wir unseren Teilnehmer*innen das Wissen um „Kausalketten“, also das „Entlanghangeln an Symptomen bis zur eigentlichen Ursache“, damit Grenzen auch eher erkannt werden können. Diese Kausalketten können kurz sein, aber auch sehr komplex und lang.

Auch vermitteln wir die unterschiedlichen Aufgaben von Wissenschaftler, Berater, Arzt und Coach. Jeder kann etwas, was der andere nicht kann, und bestenfalls lassen sich im Verbund Themen optimal lösen … wenn es gewollt ist, und da liegt häufig das Problem.

Das Unwort „Coach“

Das Wort „Coach“ wird von Ärzten und Wissenschaftlern eher ungern in den Mund genommen, wie auch ein aktueller Artikel der Plattform „DocCheck“ zeigt.

Er titelt

„Schlafstörung: Eine schwere Lösung“

und als Subtext ist zu lesen:

„Deutsche schlafen schlecht – doch Therapeuten fehlen und Medikamente haben teils heftige Nebenwirkungen. Könnten beschwerte Decken Erleichterung bringen?“

und weiter

„Als Therapie der ersten Wahl wird in Leitlinien die kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie, kurz KVT-I, empfohlen. … Erst, wenn die KVT-I versagt, soll nach den Empfehlungen eine pharmakologische Behandlung erwogen werden.“

Im Rest des Artikels geht es überwiegen wieder um Schlafdecken.

Prinzipiell stimmt es natürlich, dass die KVT-I aus medizinischer Sicht die erste Wahl darstellt. Aber in meinen Augen ist es fatal, wenn man sich nur an ihr orientiert, um dann, bei magelndem Erfolg, die Entscheidung zu treffen, medikamentös zu behandeln. Dies zumal chronobiologische Aspekte vor allem im Zusammenhang mit individuell genetisch bedingten Schlaf-/Wachfenstern (Chronotypen) sich in der KVT-I noch gar nicht umfangreich durchgesetzt haben. Welche Effekte aber das Wissen darum hat, konnten wir selbst in zahlreichen wissenschaftlich begleiteten Projekten eindrucksvoll zeigen.

Auch die Sichtweise, dass Therapeuten fehlen, ist vom Terminus her korrekt, vor allem unter dem Aspekt, dass es keine klassischen „Schlaf-Therapeuten“ in Deutschland gibt, das Thema also in der Regel von psychologische Psychotherapeuten, oder ggf., falls physiologische Themen vorliegen, auch zum Physiologen vermittelt wird, die entweder Schlaf aus medizinischer Sicht im Studium vermittelt bekommen, oder sich weitergebildet haben … sollten. Aber hier ist Schlaf eben nur EIN Thema, neben vielen, weswegen sie bei den wachsenden psychischen Belastungen und SChlafstörungen in der Bevölkerung chronisch ausgebucht sind.

Lieber Medikamente und Schlafdecken als Coach?

Gut ausbildete Schlaf- und ChronoCoaches aber fallen in der medizinischen Diskussion um Lösungen des Dilemmas offensichtlich völlig unter den Tisch, was angesichts des angesprochenen Mangels fatal ist, denn es gibt bereits mehrere hundert sehr gut ausgebildete Schlafcoaches in Deutschland. Das Problem liegt in der Beziehung „Medizin und Coaching“ und am darauf basierenden Weg, den Menschen in der Regel gehen, wenn sie Schlafstörungen haben.

Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Dieser vermittelt dann an Schlafmediziner oder Fachärzte bzw. die angesprochenen Psychologen weiter. Hier herrscht aber eben ein Mangel an Experten, die sich auch dem Schlaf verschrieben haben, was die Wartezeiten verlängert und somit zur Folge hat, dass Patienten auf längere Zeit ihr Schlafproblem nicht behandelt bekommen. Die Folgen von Schlafproblemen sind bekannt … Adipositas, Süchte, Depressionen, Burnout, Diabetes Typ 2 etc. .

Es werden also seitens der Ärzteschaft offensichtlich lieber lange Wartezeiten und deren Folgen in Kauf genommen, statt die Option „ausgebildeter Schlaf- oder ChronoCoach“ zumindest zu nennen.

Schlaf-Coach als finaler Rettungsring

Coch als Rettungsring

Unsere Erfahrung zeigt, dass Schlafcoaches meistens dann in Anspruch genommen werden, wenn der medizinische Weg ausgeschöpft ist bzw. wenn man keine vom Arzt verschriebenen Medikamente nehmen will. Und dies geschieht ausschließlich aus Eigenmotivation des Patienten, nicht auf ärztliche Empfehlung. Ist das sinnvoll?

Eine Schnittstelle „Medizin“ und „Coaching“ gibt es bei Schlafthematiken nicht. Ganz im Gegenteil wird, wie schon angemerkt, eher versucht, Distanz zu halten.

Genau das aber schadet am Ende dem Patienten bzw. der Patientin, die händeringend nach Lösungen suchen. Medikamente oder gar Schlafdecken vor Coaching zu stellen, hat einen sehr unseriösen Beigeschmack.

Es ist unbestreitbar, dass seriöses Schlafcoaching Erfolge zeigt, sogar dort, und dies sage ich aus eigener Erfahrung, wo KVT-I versagt hat. Warum also dies ausblenden?

Coaching als Form der Begleitung ist eben etwas mehr als klassische KVT-I oder gar der Besuch beim Schlafmediziner. Coaching deckt Bereiche ab, die durch die anderen Optionen nicht abgedeckt werden können. Sei es aus begrenztem medizinischem Grundlagenwissen heraus, begrenzten Erfahrungen oder aus Zeitmangel.

Das „Schwarze Schafe“-Argument

Kommen wir zum Hauptargument der medizinischen Vertreter, und das liegt in der fehlenden medizinischen Grund- und Fachausbildung der Coaches und der damit abgesprochenen Seriosität der Coaching-Szene.

Zunächst … grundsätzlich geht es beim Coaching eben gerade NICHT per se um eine medizinische Ausbildung, wie im Kern bei der KVT-I übrigens ebenso nicht. Das macht aber den Ansatz „Coach“ keineswegs falsch, denn viele Schlafstörungen bedürfen keines medizinischen Ansatzes. Auch dass zu bestimmten Ansätzen Studien fehlen mag stimmen, macht sie aber deswegen ebenso nicht falsch.

Viele Elemente aus der Schulmedizin waren früher der Alternativmedizin zugeordnet (Darm-Mikrobiom, Akupunktur, Meditation etc.) und wurden bekämpft, weil nicht evidenzbasiert. Sobald jedoch wissenschaftliche Evidenz vorliegt, gelten die gleichen Maßnahmen als schulmedizinisch. Somit verbleibt der Alternativmedizin zwangsläufig immer die undankbare Vorreiterrolle.

Ähnlich ist es beim Coaching. Umfangreiche Erfahrungen bieten in vielen Fällen sogar eine wichtigere Grundlage als Studienergebnisse.

Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber ebenso unter den Medizinern. Nicht selten bekomme ich kommuniziert, dass Ärzte ohne Fachkenntnis, oder sogar solche MIT Fachkenntniss zu Schlaf nach kurzer Zeit ohne Umschweife Medikamente verschreiben und sogar völlig ohne Not vor alternativen Wegen warnen.

Verwerfliches Handeln ist kein Privileg von Coaches, sondern finden wir bis in die hohe Wissenschaft, denn am Ende sind alles … Menschen, und nicht die Ausbildung, sondern der Charakter ist ausschlaggebend für Seriosität.

Brücke schlagen statt Gräben pflegen

Alle Ebenen haben ihre Berechtigung. Aber allen Ebenen sollte eines gleich sein: Die Lösungsfindung für den Patienten in den Fokus zu stellen. Und die Premiumstufe der Kompetenz ist, fehlende Zeit oder sogar das eigene mangelnde Wissen zuzugeben und dem Patienten dorthin zu vermitteln, wo die Chancen, dass ihm/ihr schnell (!) und kompetent geholfen werden kann, am größten sind.

In unseren Ausbildungen schlagen wir deshalb auch immer vor, sich selbst ein Netzwerk aus Experten aufzubauen, die das eigene Wissen ergänzen. Und dabei sollte Standesdünkel keine Rolle spielen!

Genauso wie Alternativmedizin und Schulmedizin ein wunderbares Paar abgeben würden, viele Mediziner leben es ja in sich schon selbst, würden auch Mediziner und Coaches ein wunderbares Paar abgeben, wenn sich jeder auf seine Kernkompetenz besinnen und ALLE Möglichkeiten, und dies bedeutet eben auch dem Patienten alle Optionen zu kommunizieren, ausschöpfen würde, um am Ende mit dem Patienten/Klienten den bestmöglichen Weg erarbeiten zu können.

Dazu gehört das Gespräch Mediziner/Coach bzw. Coachin, um miteinander herauszufinden, welche Kompetenz der jeweils andere hat, also auch ein Gefühl dafür zu bekommen, ob, und wenn ja, an wen ich als Mediziner meinen Patienten weitervermitteln kann oder vice versa. Oder sogar, mit wem ich meine Patienten begleiten kann.

Wir können uns Standesdünkel in einer Gesellschaft, die sich mit rapide steigenden Depressions-, Burnout- und Schlafstörungsraten zu kämpfen hat, schlicht nicht leisten. Ich habe immer ein Zitat eines Betriebsarztes im Nachgang zu einem Vortrag von mir im Kopf, mit dem ich auch schon einmal über diese Gräben gesprochen habe:

Der Mensch braucht immer erst den Krieg, um gemeinsam in die bis dahin trennenden Gräben zu springen, die sie vorher sorgfältig gepflegt haben!

Sprich: Erst wenn die Schmerzgrenze unerträglich wird, ist man bereit, zusammenzuarbeiten.

Deswegen mein Hinweis an alle Mediziner:

Auch entsprechend ausgebildete Coaches sind Lösungsanbieter für Schlafstörungen und Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen. Sprechen wir miteinander, bauen wir Gräben ab und die Gesellschaft wird von einer neuen Dimension an Unterstützung profitieren.

Wir vom DVSCC sind offen für dieses Gespräch.

Mit sonnigen Grüßen

Michael Wieden

stellv. Vorstandsvorsitzender DVSCC

Quellen:

DocCheck Artikel: https://www.doccheck.com/de/detail/articles/50690-schlafstoerung-eine-schwere-loesung?

Ausbildungen der IMMER AUSGESCHLAFEN Akademie: shop.immerausgeschlafen.de